Presse-2018 (5)

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Zeitreise mit Dieter Klein

Der Kölner Fotograf fängt den morbiden Charme automobilen Verfalls so kunstvoll ein wie wohl kein Anderer. Die Geschichte einer Leidenschaft, die 2008 mit Rosalie in Frankreich begann…

Text Thomas Imhof

English version below

Als Dieter Klein Rosalie mitten in einem Holunderbusch nahe der französischen Stadt Cognac entdeckte, rührte sich etwas ganz tief in seiner Fotografenseele. Es ist 2008, und die märchenhaft wirkende Szenerie eines im Dornröschen-Schlaf liegenden 80-Jährigen Citroen weckte in ihm eine Leidenschaft, die bis heute in drei faszinierenden Fotobänden über die Schönheit des automobilen Verfalls ihren Ausdruck gefunden hat. Unter dem Titel Forest Punk erschien zunächst 2013 ein Werk über Funde in Belgien. Frankreich, Deutschland und Schweden, darunter auch Motive aus dem Autoskulpturenpark von Michael Fröhlich in der Nähe von Düsseldorf.
Die Idee für den Sprung über den großen Teich kam Klein 2014, als er von einer Auktion in Enid (Oklahoma) hörte, auf der alle Fahrzeuge eines Schrottplatzes an einem einzigen Tag unter den Hammer kommen sollten. Klein zögerte nicht lange, setzte sich in den Flieger. Das tat er bis heute noch drei weitere Male, sodass er in einem Doppelband nun sein »Best of best« aus 20 Wochen und 42.000 Kilometer durch 20 US-Bundestaaten ausbreitet. In den bereits in OCTANE Nummer 33 kurz vorgestellten Büchern hat der 61-Jährige Troisdorfer wieder morbid-schöne Schrottszenen in teils atemberaubenen Landschaften abgelichtet. Es zog ihn »Into the great wide open«, zu den letzten Ruheplätze einst automobiler Pracht
Die Szenerien, an denen man sich kaum sattsehen kann, könnten unterschiedlicher nicht sein: Schrottplätze, auf denen nichts verkauft wird, Geisterstädte, in denen die Rostlauben dahingammeln oder Privatgrundstücke, wo sie kein Ordnungsamt abschleppt und sie kein Liebhaber zum Restaurieren auserwählt. Weil das Land groß genug ist, um sie einfach stehen zu lassen. Montana zum Beispiel ist so groß wie Deutschland, hat aber nur 1,8 Millionen Einwohner.
Dieter Klein ist seit 37 Jahren selbstständiger Fotograf, studierte Freie Kunst an der Werkkunstschule Köln. Er hat in den 90ern viel Werbefotografie gemacht – Medizin- und Schweißtechnik, Roboterforschung, von 2006 bis 2012 Bücher über Wirtschaftsstandorte fotografisch bereichert. Doch es scheint, als habe er mit der Jagd auf automobile Friedhöfe und damit verbundene Geschichten seine wahre Passion gefunden.
Fotografiert hat er alles mit einer PhaseOne Mittelformatkamera, mit 100 Mega Pixeln und Objektiven von 28 mm Weitwinkel bis 240 mm Tele, alles mit Stativ. »So riskiere ich keine Verwacklung, oft habe ich in dunkeln Wäldern oder im Abendlicht fotografiert, da gab es Belichtungszeiten von einigen Minuten.«

»Ich bette die Autos gerne in die Natur ein. Der Wandlungsprozess führt dann zu mitunter märchenhaften Szenarien.«

Wer denkt, auf seinen Reisen kreuz und quer durch die eher abgehängten Staaten der USA hätten ihn schießwütige Grundbesitzer oder misstrauische Farmer mit Colt oder Mistgabel davon gejagt, der irrt. »Ich hatte sehr schöne Begegnungen. Mit Postkarten früherer Produktionen brach meist das Eis. Es folgten schnell neugierige Fragen, und manche Leute fuhren sogar spontan mit, um mir verborgene Plätze zu zeigen.«
Aufs Geratewohl fuhr Klein natürlich nie von Deutschland aus los. Vielmehr gingen jeder Tour monatelange Recherchen voran. Anfangs über Freunde, Bekannte, Kollegen, dann über Fotoportale, Automobil-Blogs und langes Suchen auf Google Maps/Earth. »So hatte ich vor jeder Route mindestens zwölf Stellen, die mit hoher Wahrscheinlichkeit noch existierten. Vor Ort fand ich dann an Tankstellen, in Werkstätten oder im Supermarkt durch Nachfragen die exakten Locations.«
Die körperlichen Strapazen für den ganz allein reisenden Klein kann man nur erahnen. »In heißen Gegenden gab ich mir als Regel: Tank voll, Akkus voll, Sonnenschutzkleidung, mindestens 20 Liter Wasser und etwas zum Knabbern im Auto. In Südkalifornien hatte es ein paar Tage mal über 40 Grad Celsius bei acht Prozent Luftfeuchtigkeit. Da dehydriert man über die Haut! Ich habe sechs bis acht Liter am Tag getrunken, ohne zur Toilette zu müssen oder Schweißperlen auf der Stirn zu haben.« Vorsicht ließ Klein auch vor Schlangen, Skorpionen, Spinnen und Kakteen walten. »In Gebieten mit Schlangen geht man niemals rückwärts«, weiß er. »Nur ein Mal wurde ich Opfer einer Mückenattacke, 27 Mal haben sie mich erwischt, und ein Dutzend Zecken gesellten sich auch noch dazu.«
Kleins Bilder sind auf 5 Terrabyte Daten gespeichert, sein drittes Buch ist grob layoutet, mit unveröffentlichen Bildern aus Frankreich, Deutschland, Österreich und den USA. Im Oktober 2017 hat er mit einem Vortrag über Forest Punk den Preis »Beste Fotografie« auf den Discovery.days.ch gewonnen. Mit einem Multivisions-Vortrag geht er jetzt auf Veranstaltungstour. Darin erzählt er weniger über Autos, sondern die Menschen und Storys drumherum. Wie den 89-Jährige Rennfahrer-Helden und Autodesigner Gene Winfield, der immer noch voller Tatendrang steckt und Klein stolz eine von ihm designte neue Gitarre für ZZ Top präsentierte.
Kleins Arbeit ist auch ein Wettlauf gegen die Zeit. »Es gab in einigen Bundestaaten zu Zeiten hoher Stahlpreise wahre Reinigungsaktionen, daher findet man zum Beispiel südlich von Detroit kaum noch was rumstehen«, sagt er. Eines seiner eindrucksvollsten Fotos zeigt einen 39er-Dodge, durch den ein Baum hindurchwächst. Umgeben ist das Stillleben von einem Zaun, damit sich neugierige Kühe nicht dran verletzen. »Ich bette meine Autos gerne in die Natur ein, wo es dann durch Wandlungsprozesse zu solch märchenhaften Szenen kommt.« Oft sind ausrangierte Autos auch Teil der Familiensaga. Wie der pinke Dodge, den man nach dem Tod seines Besitzers als Monument einfach stehen ließ. Viele Autos in Kleins Fotoschau stammen sogar noch aus den 1910er- und 1920er-Jahren. So schnell verschwinden über 100 Jahre Automobil halt doch nicht von der Erde. Zumindest nicht in den USA, dem Eldorado für Zeitreisende wie Dieter Klein.

 

Time travel with Dieter Klein

The Cologne photographer captures the morbid charm of automotive decay as artistically as no other. The story of a passion that began in 2008 with Rosalie in France…

Text Thomas Imhof

When Dieter Klein discovered Rosalie in the middle of an elder bush near the French city of Cognac, something moved deep into his photographer’s soul. It is 2008, and the fairy-tale scenery of an 80-year-old Citroen lying in his sleep aroused in him a passion that has to this day found its expression in three fascinating volumes of photographs about the beauty of automobile decay. A work on finds in Belgium was first published in 2013 under the title Forest Punk. France, Germany and Sweden, including motifs from Michael Fröhlich’s car sculpture park near Düsseldorf.
The idea for the jump across the big pond came to Klein in 2014 when he heard about an auction in Enid (Oklahoma) at which all vehicles of a scrap yard were to be knocked down in a single day. Klein did not hesitate long, sat down in the plane. He has done this three more times to date, so that in a double volume he now spreads his „best of best“ of 20 weeks and 42,000 kilometres through 20 US states. In the books already briefly presented in OCTANE number 33, 61-year-old Troisdorf has once again photographed morbidly beautiful scrap scenes in partly breathtaking landscapes. He was drawn „Into the great wide open“, to the last resting places of once automotive splendour.
The sceneries, where you can hardly get enough of yourself, could not be more different: scrap yards, where nothing is sold, ghost towns, where the rust buckets collect or private properties, where they do not tow away an order office and select them no lover for restoration. Because the country’s big enough to just dump them. Montana, for example, is as big as Germany, but has only 1.8 million inhabitants.
Dieter Klein has been a freelance photographer for 37 years and studied fine arts at the Werkkunstschule Köln. He took a lot of advertising photography in the 90s – medical and welding technology, robotics research, from 2006 to 2012 he photographically enriched books about business locations. But it seems that he found his true passion in the hunt for automobile cemeteries and related stories.
He photographed everything with a PhaseOne medium format camera, with 100 mega pixels and lenses from 28 mm wide-angle to 240 mm telephoto, all with tripod. „So I don’t risk camera shake, I often took pictures in the dark woods or in the evening light, there were exposure times of a few minutes.“
Anyone who thinks that he has been chased away by trigger-happy landowners or suspicious farmers with a colt or pitchfork on his travels all over the more remote states of the USA is mistaken. „I’ve had very nice encounters. Postcards from earlier productions usually broke the ice. Curious questions quickly followed, and some people even went along spontaneously to show me hidden places.“
Of course, Klein never left Germany at random. Rather, each tour was preceded by months of research. At first via friends, acquaintances, colleagues, then via photo portals, automobile blogs and long searches on Google Maps/Earth. „So before each route I had at least twelve places that probably still existed. On the spot I found the exact locations at gas stations, in workshops or in the supermarket through inquiries.“
One can only imagine the physical exertions for the little one travelling all alone. „In hot areas, my rule was: tank full, batteries full, sun protection clothing, at least 20 litres of water and something to nibble in the car. In Southern California, the temperature was over 40 degrees Celsius at eight percent humidity for a few days. You get dehydrated over your skin! „I drank six to eight litres a day without going to the toilet or having sweat beads on my forehead.“ Klein was also careful with snakes, scorpions, spiders and cacti. „You never go backwards in areas with snakes,“ he knows. „Just once I was a victim of a mosquito attack, 27 times they caught me, and a dozen ticks joined them.“
Klein’s pictures are stored on 5 terabytes of data, his third book is roughly laid out, with unpublished pictures from France, Germany, Austria and the USA. In October 2017 he won the „Best Photography“ award at Discovery.days.ch with a lecture on Forest Punk. He is now going on an event tour with a multivision lecture. In it he tells less about cars and more about the people and stories around them. Like the 89-year-old racing driver hero and car designer Gene Winfield, who is still full of zest for action and proudly designed one for Klein.

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