Presse-2018 (2)

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Unsere Mobilität hat vor allem in den vergangenen 100 Jahren Spuren hinterlassen. Einer, der sich mit der Kamera auf die Suche nach diesen Spuren gemacht hat, ist Dieter Klein. Seine Funde hat er in einem berauschenden Bildband zusammengestellt.

Ob die Mobilität sich eines Tages dahingehend wandelt, dass uns nur noch Robotertaxis von A nach B bringen, die optisch nichts mehr mit dem zu tun haben, was wir gemeinhin unter einem Auto verstehen, sei dahingestellt. Wenigstens die ersten Versuche der Technologie-Giganten in dieser Richtung sind vorerst auf Eis gelegt worden. So schnell entwickelt sich ein Auto dann doch nicht, auch wenn uns Tesla das immer glauben machen möchte. Doch ein Umstand ist nicht von der Hand zu weisen: Das erste Jahrhundert unserer mobilen Individualität löst sich langsam auf und verschwindet. Nicht so spurlos wie Atlantis, denn wer genau hinsieht, der kann die Anfänge noch heute in neuer Form und Farbe entdecken.

Der sieht genau hin
Einer, der mehr als genau hingesehen hat, ist Dieter Klein. Als er „Rosalie“ mitten in einem Holunderbusch im französischen Aquitaine entdeckte, war es um den Fotografen geschehen. Die märchenhafte Szenerie, in der der 80 Jahre alte Citroën gefangen war, fesselte den Kölner so sehr, dass er fürderhin auf der Suche nach ähnlichen Orten in Europa war. Entstanden ist im Wettlauf mit der Zeit ein Bildband unter dem Titel „Forest Punk“.
Am Ende war dem Fotografen der alte Kontinent nicht genug. Im Land der Motels, Drive-In-Restaurants und Autokinos, so dachte Klein, müsste sich doch dieses Bild des mobilen Verfalls und der steten Regeneration noch viel intensiver einfangen lassen.
Insgesamt 25.000 Meilen reist er nun mit seiner Kamera über zwei Jahre kreuz und quer durch Nordamerika. Zu seinen Protagonisten werden die Zeitzeugen vergangener mobiler Epochen, die er in 400 emotionalen Bildern festhält. Die Bilder sind das eine, die Geschichten, die Klein erzählt werden, das andere. Aber die Masse der Bilder steht für sich und die Geschichte liegt im Auge des Betrachters. Klein verzichtet auf Retuschen am Computer, lässt das Licht Farbe und Form bestimmen, sucht nur den richtigen Winkel, um dem Betrachter die Möglichkeit zu geben, seine eigene Geschichte in den Bildern zu finden.

Wenn der Rost zum Zeitzeugen wird
Zum Beispiel eine Geschichte zu den einst akkurat aufgereihten Fahrzeugen, die heute ohne Räder auf den Bodenplatten ruhen und deren Farbe langsam in das Einheitsbraun des Rostes wechselt. An anderer Stelle stehen die Reliquien neben verlassenen Häusern oder leuchten im Licht der untergehenden Sonne auf, als wollten sie Blätter und Unrat von sich abschütteln, um ein letztes Mal den Motor aufheulen zu lassen. Besonders fasziniert ein Bild, das einen völlig verrosteten Ford zeigt, hinter dem ein Wohnwagen steht; vor dessen Tür scheinen zwei Stühle auf die Bewohner zu warten. Eine surreale Szenerie, die ihresgleichen sucht. Weil sie so momentan, so endlos und so aussichtslos scheint.

Nicht weniger abgefahren ist der pinkfarbene Dodge Pionier 4-Door Sedan. 1977 stellte der Besitzer den Wagen zum letzten Mal vor seinem Haus ab. Zwei Tage später starb er. Niemand hat seitdem Haus oder Wagen angerührt. „Aus Respekt“, sagen die Nachkommen. Hier hat Klein die wahre Geschichte zu diesem unglaublichen Foto erzählt. Auf dem einen scheint John-Boy Walton in nächster Sekunde sein Auto zu besteigen, um Bruder Jason aus der Stadt abzuholen, wo er in einem ziemlich verruchten Laden als Musiker arbeitet. Auf dem anderen warten verrostete Karossen aus den 1950er-Jahren an einer ebenso verrosteten Tankstelle auf den Tankwart.

 

Immer wieder Neues entdecken

Und so geht die Bilderreise mit Klein weiter. Doch so sehr sich die Bilder auf den ersten Blick gleichen mögen, so unterschiedlich sind sie doch. Klein hat bei seiner scheinbar endlosen Reise darauf geachtet, dass es keine Doppelungen gibt. Mögen die Geschichten hinter den einzelnen Bildern auch ähnlich sein, die Bilder sind es nicht. Manchmal werden die Autos auch nur zu einem Moment in einer atemberaubenden landschaftlichen Kulisse. An anderer Stelle fokussiert sich Klein auf Details: da ist ein von Moos bewachsenes Lenkrad ebenso spannend wie die mannigfachen Logos an der Heckklappe eines Lincoln oder der wie die gefletschten Zähne eines Raubtiers daherkommende Kühlergrill eines Buick Eight.
Nach dem ersten Durchblättern der beiden Bände hat man das Gefühl, dass der Kamera von Dieter Klein nicht das kleinste Detail einer sich verabschiedenden Mobilität entgangen ist. Die Bände schreien förmlich danach, sich die Bilder immer und immer wieder anzusehen. Und versprochen: Selbst nach dem dritten und vierten Mal werden Sie Dinge entdecken, die Ihnen zuvor nicht aufgefallen sind. Wer also die 68 Euro für „Forest Punk – ‚The Fabulous Emotion‘ Retired Automobiles of North America“ investiert, der hat nichts verkehrt gemacht.

Our mobility has left its mark, especially in the past 100 years. Dieter Klein is one of the people who went looking for these traces with his camera. He has compiled his findings in an intoxicating illustrated book.

It remains to be seen whether mobility will one day change in such a way that only robot taxis from A to B, which have nothing to do with what we generally understand by a car, will bring us from A to B, will change. At least the first attempts of the technology giants in this direction have been put on ice for the time being. A car doesn’t develop that fast, even if Tesla always wants us to believe it. But there is one thing that cannot be denied: The first century of our mobile individuality is slowly dissolving and disappearing. Not as untraceable as Atlantis, because those who look closely can still discover the beginnings today in a new form and colour.

He looks closely
Dieter Klein is one who looked more than exactly at it. When he discovered „Rosalie“ in the middle of an elder bush in French Aquitaine, it had happened around the photographer. The fairytale scenery, in which the 80-year-old Citroën was caught, captivated the man from Cologne so much that he was looking for similar places in Europe. A picture book entitled „Forest Punk“ was created in the race against time.
In the end, the old continent was not enough for the photographer. In the land of motels, drive-in restaurants and drive-in cinemas, Klein thought, this image of mobile decay and constant regeneration should be captured much more intensely.
He now travels a total of 25,000 miles across North America with his camera for over two years. His protagonists are the contemporary witnesses of past mobile eras, which he captures in 400 emotional images. The pictures are one thing, the stories that Klein is told, the other. But the mass of the pictures stands for itself and history is in the eye of the beholder. Klein refrains from retouching on the computer, allowing light to determine colour and form, seeking only the right angle to give the viewer the opportunity to find his or her own story in the pictures.

When rust becomes a contemporary witness
For example, a story of the cars that were once meticulously lined up, now resting on the floor plates without wheels and whose colour slowly changes to the uniform brown of the grate. In another place, the relics stand next to abandoned houses or shine in the light of the setting sun, as if they wanted to shake off leaves and rubbish in order to make the engine cry for a last time. Especially fascinating is a picture showing a completely rusted Ford with a caravan standing behind it; two chairs seem to be waiting for the residents in front of its door. A surreal scenery that is second to none. Because she seems so momentary, so endless and so hopeless.
The pink-coloured Dodge Pioneer 4-Door Sedan is no less awesome. In 1977 the owner parked the car in front of his house for the last time. Two days later he died. No one’s touched the house or the car since. Out of respect, the descendants say. Here Klein told the true story to this incredible photo. On the one, John-Boy Walton seems to be getting into his car at the next second to pick up brother Jason from the city where he works as a musician in a rather wicked shop. On the other side, rusted car bodies from the 1950s are waiting for the gas station attendant at a similarly rusted petrol station.

Discovering new things over and over again
And so the picture journey continues with Klein. However, as much as the images may look the same at first glance, they are all very different. In his seemingly endless journey Klein made sure that there were no duplications. The stories behind the individual pictures may be similar, but the pictures are not. Sometimes the cars are even just a moment in a breathtaking scenery. Elsewhere, Klein focuses on details: a moss-covered steering wheel is just as exciting as the manifold logos on the tailgate of a Lincoln or the radiator grille of a Buick Eight like the bared teeth of a predator.
After browsing through the two volumes for the first time, you get the feeling that Dieter Klein’s camera has not escaped the slightest detail of farewell mobility. The volumes are screaming to look at the pictures over and over again. And promised: Even after the third and fourth time, you will discover things you have not noticed before. Whoever invests the 68 Euro for „Forest Punk -‚ The Fabulous Emotion‘ Retired Automobiles of North America“ has done nothing wrong.