Presse-2014

 

autobuchkritik.de

Dieter Kleins Bilder treffen den Autoliebhaber mit gnadenloser Wucht. Hier stimmt einfach alles. Von der Bildkomposition bis zur Stimmung. Gehen die Bilder auf einer Seite schon durch Mark und Bein, ziehen jene auf den Doppelseiten den Betrachter kompromißlos in ihren Bann, saugen die Aufmerksamkeit geradezu auf. Ich gebe zu, noch nichts Vergleichbares zu Gesicht bekommen zu haben, das meine automobilistischen Gefühle derart in Wallung gebracht hätte .

Ob Makroaufnahme oder Weitwinkel – jedes Bild, jedes Motiv wirkt. Das habe ich so noch nicht erlebt. Die kurzen, doch treffenden Bildunterschriften unterstreichen die Aussage der Fotografie zusätzlich.

Sie liegen darnieder, aufgesogen vom Wald oder vom Boden. Die einst stolzen Statements einer aufstrebenden Gesellschaft. Die Statussymbole, einst in den Vorgärten der goldenen 50er und 60er auffällig geparkt. Jetzt unauffällig beiseite geräumt, weggeworfen, vergessen. Sich selbst und der unbarmherzigen Natur überlassen, die ihren Mantel ausgebreitet hat; nicht um zu schützen, sondern um zu zehren: Am Blech, am Holz, an der Substanz.
Da sehen wir zwei Käfer: Der eine, lächelnd gar, scheint sich mit seinem Schicksal arrangiert zu haben und das Beste daraus zu machen. Der andere hingegen, umrahmt vom Herbstlaub, nur noch seine Front wie beim Ertrinken aus dem Boden hebend und aus leeren Scheinwerfertöpfen glotzend, wartet auf den endgültigen Moment, da der Boden über seinem Kadaver zusammenschlägt und das Erdreich ihm ein feuchtes Grab bereitet.
Oder der einstige Stolz der Rennstrecke: Ein Jaguar XK120 Roadster! Wer wirft denn sowas weg? Er muß noch ganz passabel ausgesehen haben, bevor man ihn entsorgt hat. Sogar Startnummer und Rallyeschild zieren seinen sehnigen und muskulösen Körper. Auch Weißwandreifen hat man ihm als Zeichen der Wertschätzung spendiert. Jetzt stemmt er sich mit aller Gewalt den Naturereignissen entgegen. Will nicht untergehen, sondern überdauern – ohne Dach! Im Sommer sieht man seine vom Moos bereits sanft überzogene Haut, im Winter hingegen ist sie zugedeckt von der weißen Pracht, die reichlich vom Himmel fällt. Offenbar hat ihm die 218, seine Startnummer, kein Glück gebracht. Was mag geschehen sein, daß das Schicksal ihm einen Platz im Wald vorherbestimmt hat? Ist er in seinem letzten Rennen ausgefallen und hat sich damit den Zorn des Besitzers zugezogen?

Das sind die Geschichten, die einem unweigerlich durch den Kopf gehen, wenn man sich durch die 105 aufs Meisterliche in Szene gesetzten Fotografien blättert. Ein hastiges Durchblättern ist nicht möglich. Unweigerlich bleibt das Auge stehen. Bei den Blechbergen, wenn Dieter Klein aufgetürmten Wracks seine ganze Aufmerksamkeit gewidmet hat oder bei den traurig aus leeren Scheinwerferhöhlen blickenden ehemaligen Gefährten einer saturierten Gesellschaft, die es sich leisten konnte, das ursprünglich hart ersparte Mobil nach dessen Gebrauch einfach wegzuwerfen.
Dieter Klein hat u.a. den Auslöser bei folgenden Fabrikaten gedrückt: Volvo, Ford, Saab, Austin, DKW, Tatra, Buick, Volkswagen Opel, Renault, uvm.

Dieses Buch ist ein Zeugnis unserer Wegwerfgesellschaft und ein wunderbarer Reiseführer durch die immer seltener werdenden Autofriedhöfe Deutschlands, Frankreichs und Schwedens. Fazit: Kaufen! (mdr)
ZEIT – zeitonline
norbayern.de
Dieser Bildband ist nichts für Liebhaber von restaurierten, auf hochglanz polierten Oldtimern. Der morbide Scharm der über 100 Fotos des Kölners Dieter Klein wird aber all jenen erschlossen, die sich einlassen auf den Verfall und das Vergängliche. Traumhaft schöne Fotos von altem Blech in unberührter Natur. Historische Autofriedhöfe in Belgien, Frankreich, Deutschland und Schweden haben es dem Fotografen angetan und entführen den Betrachter in eine von Rost zersetzte, weit ferne Zeit. Mit diesem Bildband wissen wir, wo schönes, zeitloses Autodesign verblieben ist.